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Einfach mal abtauchen

TRABEN-TRARBACH. Das Wetter ist trüb, es regnet und die Stimmung ist verhagelt? Kein Problem, bei Trierkids.de gibt es gute Ideen, was man bei Winterwetter in Rheinland-Pfalz unternehmen kann. Zum Beispiel einen Ausflug machen in die Jugendstilstadt Traben-Trarbach an der Mittelmosel. Das 6000-Seelen-Städtchen begeistert mit Freizeitmöglichkeiten auch bei schlechtem Wetter. Wie wäre es, abzutauchen? Wahlweise in einer Wellness-Therme oder in die Unterwelt? Oder auf Erleuchtung hoffen bei 2000 Buddhas? Das Beste an unserem Ausflugstipp: Bereits mit der Anfahrt steigt die Laune, da weder Regen noch Schnee die Anreise anstrengend machen.

Mit der Moselweinbahn hat man den schönsten und bequemsten Weg zu Kultur und Entspannung. Die 13 km lange Strecke zwischen Traben-Trarbach und Bullay führt durch idyllische Weinorte und immer entlang der mäandernden Mosel (RB von Trier nach Bullay, von Bullay nach Traben-Trarbach weitere 20 Min.). Nach der gemütlichen Anreise haben Besucher die Möglichkeit zum Abtauchen: Zum einen in die Bade- und Saunalandschaft der Moseltherme als anerkanntes Heilbad. Dort gibt es nicht nur Wellness pur an Schlechtwettertagen. Sondern Kinderspielnachmittage (jeder erste und dritte Samstag im Monat) und Familientage. An jedem zweiten und vierten Samstag erhalten Familien mit Kindern besondere Preiskonditionen und Spielgeräte. Die zweiten und vierten Donnerstagvormittage gehören den Senioren, die dann günstig baden und sogar kostenlos saunieren können - also den Ausflug zusammen mit Oma und Opa planen. Ganz anders abtauchen kann man in den Weinkellern der Weinstadt. Unterirdisch gut ist ein Ausflug in die Traben-Trarbacher Unterwelt, wo man viel über die Weinkellerwirtschaft erfahren und dabei den riesigen Gewölbeweinkeller unter der Stadt begehen kann. Bei „Unterwelt-Ausflügen“ werden die Besucher durch verschiedene Keller geführt und erfahren die Geschichte zusammengefügter Hauskeller mit Tonnengewölbe, Felsenkeller oder stollenartiger Backsteinkeller. Wem der Sinn nach Höherem steht, ist im Buddha-Museum richtig (10-minütiger Fußweg vom Bahnhof). Während der Wintermonate ist das Museum von freitags bis sonntags geöffnet und bietet um 11 und 15 Uhr kostenlose Führungen und Erklärungen zu den 2000 ausgestellten Buddhas. (GB)


Fliegende Steine

Ausgrenzung, Anderssein, Akzeptanz, Fluchterfahrung, Neuanfang: Diese Themen werden einfühlsam und kindgerecht in dem Buch "Fliegende Steine" aufgegriffen. Der atmosphärisch dichte Roman spielt 1958 in einem kleinen Dorf in Brabant/Holland und ist doch von verblüffender Aktualität. Protagonistin ist Fee, ein junges Mädchen, das eine blühende Fantasie hat. Ständig malt sie sich alles Mögliche aus. Manchmal stellt sich vor, wie es wäre, einen anderen Vater zu haben. Denn ihrer liegt meist auf dem Sofa und liest die Zeitung, während ihre fröhliche Mutter den ganzen Tag arbeitet. Schon fast ein Jahr wohnen sie nun auf dem abgelegenen Bauernhof. Mit den reichen Mädchen aus dem Dorf hat Fee keinen Kontakt, aber die dunkelhäutige Laura aus "Niederländisch-Indien" mag sie gern. Auch ihre nächste Nachbarin Sofia, die alleine außerhalb des Dorfes wohnt, findet sie nett. Doch dann fliegt der erste Stein.

Die mehrfach ausgezeichnete Autorin Martha Heesen entfaltet eine Geschichte vor dem Hintergrund der 1950er Jahre in einem niederländischen Dorf, in dem die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges spürbar und die Menschen bemüht sind, eine Normalität zu finden. Der Roman spielt einerseits mit einem Vorwissen, andererseits lebt er von zahlreichen Leerstellen, die einen Deutungsspielraum ermöglichen und zum Nachdenken anregen. Damit wendet sich die Autorin einem Jahrzehnt zu, das nur vereinzelt in aktuellen Kinder- und Jugendromanen behandelt ist.
Fee gehört zu denjenigen, die von außerhalb kommen. Genauso wie die Flüchtlinge aus der ehemaligen Kolonie Niederländisch-Indien, deren Unabhängigkeit die niederländische Regierung erst nach dem Zweiten Weltkrieg anerkannt hat. Aber nicht nur die Ausgrenzung der Mädchen, die in den Niederlanden eine neue Heimat suchen und in einer Unterkunft untergebracht werden, sind ein Thema der Geschichte, sondern auch die Ausgrenzung jener Menschen, die während des Zweiten Weltkrieges mit den Deutschen befreundet waren. Dieser historische Hintergrund wird öfter angespielt und verweist auf die Gräueltaten der Nationalsozialisten und die Verfolgung der jüdischen Bevölkerung. Was genau Fees Familie erlebt hat, wird verschwiegen. Aber das Verhalten des Vaters und seine Lethargie lassen Deutungen zu. Mit Fee hat Heesen eine Figur entworfen, die im Laufe der Geschichte mutiger, auch selbstbewusster wird und vor allem Dinge hinterfragt. Die Autorin schafft es überzeugend, ihrer Geschichte Aktualität zu geben und zum Nachdenken anzuregen.
Martha Heesen, Fliegende Steine, a.d. Niederländischen von Rolf Erdorf, Gerstenberg 2017, 160 Seiten, 12,95 Euro, ab 13 Jahre. (red)


Spiegelbild

Wie leben Frauen in der Gesellschaft? Wie arbeiten sie, wie versorgen sie ihre Familie? Wie ist ihre Haltung zum Ehemann? Ein Bildband mit starken Fotos geht diesen Fragen nach. Im Blickpunkt stehen Frauen in der heutigen ägyptischen Gesellschaft. "Sayeda" lautet der Titel des 288 Seiten umfassenden Bildbands, was soviel wie "Dame" auf Arabisch bedeutet. Für das Buch reiste die Fotografin Amélie Losier mehrmals nach Ägypten. Dort fotografierte sie Frauen überwiegend in ihrer privaten Umgebung und führte Interviews. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Der Bildband gibt authentische Einblicke in die Gefühls- und Lebenswelt von Ägypterinnen verschiedener Altersklassen und sozialer Schichten. Dabei gewinnt der Betrachter gesellschaftliche Eindrücke und unternimmt quasi nebenbei eine Reise in den ägyptischen Alltag. Ergänzt werden die privat wirkenden Fotos von ausdrucksstarken Straßenszenen, die die tiefe Zerrissenheit der ägyptischen Gesellchaft zur Stellung der Frau verdeutlichen.

Mal ist es eine Putzfrau, dann eine Frau, die versuchte, für die Präsidentschaftswahlen zu kandidieren: Egal, wen Amélie Losier fotografisch porträtiert, die Frauen hinterlassen sehr individuelle und nachhaltige Eindrücke. Wie die Frau, die den äußerst seltenen Beruf als Taxifahrerin ausübt. Oder die Frau, die mit ihrer Arbeit die Familie durchbringt. Oder die 20-Jährige, die sich mit ihrem Verlobten heimlich trifft, um zu prüfen, ob er der Richtige ist. Oder die Koptin, die frei sein wollte und einer Ehe für immer entgangen ist. Die Fotos und Interviews geben einen tiefen, facettenreichen Einblick in eine Welt jenseits der gängigen politischen Nachrichten. Neben den Fotos enthält der Band Texte der Politikwissenschaftlerin und Islam-Expertin Hoda Salah und der Kunsthistorikerin und Fotografiespezialistin Franziska Schmidt. Lesenswert ist auch der Text von Amélie Losier über ihre praktische Umsetzung des Buchprojekts in Ägypten. Das Buch "Sayeda - Frauen in Ägypten" ist im Nimbus Verlag erschienen. ISBN 978-3-03850-037-7, 288 Seiten, 36 Euro. (GB)


Wenn der Hamster den Löffel abgibt

Einen Elternratgeber der etwas anderen Art möchten wir an dieser Stelle vorstellen und empfehlen. "Was tun, wenn der Hamster den Löffel abgibt" ist der Titel des kompakten und gebundenen 224 Seiten-Werks. Er deutet bereits darauf hin, dass die vielen alltagsnahen Fragestellungen im Buch auch mit Humor beantwortet werden. Das aus der Süddeutschen Zeitung bekannte Familientrio Kirsten Boie, Jesper Juul und Katharina Saalfrank stellt sich verschiedensten Fragestellungen zu Erziehung, Partnerschaft und Familie: Darf das Kind sich an Fastnacht als IS-Kämpfer verkleiden? Dürfen Eltern bestimmen, was sich Kinder von ihrem Taschengeld kaufen? Oder muss der kranke Hamster unbedingt ärztlich versorgt werden? Der Reiz an dem Buch: Die drei Ratgeber kommen durchaus zu unterschiedlichen Empfehlungen. Wobei insbesondere die unaufgeregte Gelassenheit von Jesper Juul zeigt, dass es keine perfekten Eltern gibt.

60 Elternfragen, die jeweils von den drei Experten beantwortet werden: Es gibt eben nicht den einen richtigen Weg, sondern verschiedene Möglichkeiten der Erziehung. Wobei es mal gefühlvolle Tipps der Pädagogin Katharina Saalfrank (u.a. bekannt als Fernseh-Supernanny) gibt. Oder einen versteckten Zeigefinger von der Autorin Kirsten Boie. Oder aber eben der Humor und die Klarheit des europaweit anerkannten Familientherapeuten Jesper Juul, mit dessen Ratschlägen sich Eltern nicht verbiegen müssen und authentisch bleiben dürfen.
Soll das Kind selbst entscheiden, wer zu seinem Geburtstag kommt? Was tun, wenn der beste Freund seine Frau betrügt? Soll ich meinem Kind die Angst vor dem Krieg ausreden? Auf alle Fragen gibt es ehrliche und oft pragmatische Antworten. Das Buch liest sich zügig und bietet selbst bei Fragestellungen, die einen nicht so berühren, unterhaltenden Lesestoff. Beltz Verlag, 12,95 Euro. (GB)



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