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Vorlesetipps für Eltern

1. Wählen Sie ein Buch aus, auf das Ihr Kind und auch Sie selbst neugierig sind.

2. Zum Vorlesen gehört eine gemütliche Atmosphäre. Für die Kinder kann es gerne kuschelig sein. Wichtig ist es, das Buch dabei so in den Händen zu halten, dass die Kinder entspannt die Bilder anschauen können. Daher ist es oft am besten, nebeneinander zu sitzen.

3. Wer sich das Buch vor dem Vorlesen schon einmal angeschaut und die Geschichte vorher schon einmal selbst gelesen hat, kann später beim Vorlesen die Inhalte verständlicher präsentieren. Die Zuhörer bemerken positiv, dass der Vorleser die Geschichte und die Pointen schon kennt. Um das Vorlesen zu einem Erlebnis zu machen, versuchen Sie doch einfach mal, die Stimmen der Figuren im Buch unterschiedlich zu interpretieren. Ein lebendigeres Vorlesen vermag die Kinder stärker zu faszinieren.

4. Kinder mögen es, ihre Lieblingsbücher wieder und wieder, Abend für Abend vorgelesen zu bekommen. Dreißig mal dasselbe Buch – keine Seltenheit und für manche Eltern eine Herausforderung. Diesem Wunsch der Kinder sollte jeder Vorleser aber unbedingt nachkommen. Kinder lieben beim Vorlesen das Ritual, es ist für sie ein großer Spaß ihre Lieblingsgeschichten in- und auswendig zu kennen. So werden Bücher zum festen geliebten Bestandteil ihres Lebens. Eltern sollten sich nie abwertend über die Lesewünsche ihrer Kinder äußern. Die Kinder werden schon irgendwann von allein nach einem anderen neuen Buch fragen.

5. Wer als Vorleser innerlich mit den eigenen Gedanken ganz woanders ist, darf sich nicht wundern, wenn auch die Kinder ihm nicht zuhören. Ein Vorleser, der die vorgelesene Geschichte mit seiner eigenen inneren Anschauung mitvollzieht, wird auch die Zuhörer für die Geschichte gewinnen können.

6. Vorlesen und Zuhören können ist nicht so einfach, es ist auch eine Frage der Übung. Wer früh damit anfängt (ab dem 12. Monat), ermöglicht es dem Kind, sich im Zuhören zu üben. Dabei ist besonders ein regelmäßiges Vorlesen zu empfehlen. Kinder, die nur selten vorgelesen bekommen, wissen oft gar nicht, was sie beim Zuhören tun sollen, was Vorlesen überhaupt soll. Ihre innere Anschauung ist nicht geübt und nicht darauf vorbereitet.

7. Kinder werden zu Lesern, wenn auch die Eltern lesen. Kinder orientieren sich an ihren Eltern als Vorbilder. Aber viele Kinder erleben ihre Eltern gar nicht als Leser, weil die meisten Eltern erst dann zu Buch oder Zeitschrift greifen, wenn die Kinder nicht da sind oder schlafen. Lesen Sie ruhig so oft wie möglich im Beisein Ihrer Kinder. Ihre Kinder sollten Sie als Lesende erleben.

8. Für jüngere Kinder ist es noch nicht so wichtig, dass eine Geschichte einen Anfang und ein Ende hat. Wenn ein Kind also Lust hat, bei einer Seite zu verweilen und sich einfach nur dieses eine Bild anzuschauen, so ist dies in jedem Falle besser, als zwingend zu Ende zu lesen. Entscheidend ist immer die innerliche, gedankliche Auseinandersetzung des Kindes mit dem Buch.

9. Für manche Kinder ist das bloße Anschauen von Bildern, auf denen sich nichts bewegt, nicht attraktiv genug und zu langweilig. Daher gibt es viele Bücher gerade für jüngere, die mit beweglichen Elementen – wie integrierten Pappklappen, Fingerpuppen oder andern Spielelementen – es den Kindern ermöglichen, die Bücher auch haptisch mit all ihren Sinnen zu erleben. Auch für ältere gibt es dreidimensionale Bücher, die dann mit Pop-up-Elementen die Kinder faszinieren und zur Beschäftigung mit dem Buch einladen.

10. Viele Kinder sind vor allem abends für das Vorlesen zu begeistern. Regelmäßiges abendliches Vorlesen ist für viele ein geliebtes Ritual. Aber Eltern können ganz bewusst auch andere Orte und Zeiten aussuchen, an denen Kindern durch Vorlesen Bücher nähergebracht werden: in der selbstgebauten Spielhöhle, beim Zoobesuch, auf Reisen in Bus oder Bahn, beim Kindergeburtstag ...

11. Das Vorlesen kann besonders gut gelingen, wenn die Vorlesenden flexibel auf die Wünsche der Zuhörer eingehen: An manchen Tagen soll nur "wie immer" der Text vorgelesen werden. An anderen Tagen ermöglichen Fragen an das Kind, die sich auf den Inhalt beziehen, eine für beide wunderschöne Beschäftigung mit dem Buch. Auch wollen die Kinder manchmal nur still die Bilder betrachten. Manche Bücher sollen immer nur von bestimmten Personen vorgelesen werden (Mama, Papa, Oma, Opa, Erzieherin). All diese Wünsche können die Bindung der Kinder am Bücher langfristig stärken.

12. Die Kinder wählen meist selbst, welches ihre Lieblingsbücher sind. Ob dies Fantasie-Geschichten sind, Alltagsgeschichten, Sachbücher oder Bücher zu TV-Helden - die Kinder sollen dies zunächst selbst entscheiden können, um einen positiv erlebten Zugang zu Büchern zu bekommen. Kinder wollen auch genau dieselben Bücher kennen, über die im Kindergarten oder unter Freunden gesprochen wird. Sie wollen sich mit Büchern oder Buchfiguren auskennen, die die anderen Kinder auch kennen, um mitreden zu können. Kinder, die selbst mitbestimmen können, wie leicht oder schwer, wie banal oder wie anspruchsvoll ihre Lieblingsbücher sind, werden sich immer die für ihre jeweilige Situation, ihr jeweiliges Bedürfnis am besten passenden Bücher aussuchen. Und so erleben sie, dass es für alle Fälle immer das richtige Buch gibt!